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22.11.2017 : 6:27 : +0100

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Lesepflicht: Das sind die neuen Handballregeln!

Seit dem 1. Juli 2016 gelten die neuen Regeln des Handball-Weltverbandes IHF. Der Deutsche Handball-Bund hat die Änderungen übernommen. Hier der Überblick über die wichtigsten Neuerungen – damit in der im September startenden Saison niemand sagen kann, er hätte noch nix davon gehört.

Die Regeländerungen betreffen:

1. Torwart als Feldspieler

2. Verletzter Spieler

3. Passives Spiel

4. Letzte 30 Sekunden

5. Blaue Karte


1. Torwart als Feldspieler


Die bisherige Möglichkeit, einen Torwart durch einen Feldspieler mit einem Überzieh-Leibchen zu ersetzen, bleibt vollumfänglich bestehen. Zusätzlich ist es aber möglich, den Torwart durch einen siebten Feldspieler zu ersetzen. In diesem Fall kann kein Feldspieler die Funktion des Torwarts ausüben, also den Torraum betreten, um die Torwartposition zu übernehmen.

Wenn der Ball im Spiel ist und einer der sieben Feldspieler den Torraum betritt und den Ball abwehrt (oder durch eine klare Einflussnahme ein Tor verhindert), erhält die gegnerische Mannschaft einen 7-m-Wurf zugesprochen. Der Spieler wird zudem progressiv bestraft. Er wird ebenfalls progressiv bestraft, wenn die Mannschaft

den Ball verliert und der Spieler sich durch das Betreten des eigenen Torraums einen Vorteil zu verschaffen versucht.

Bei Wechseln zwischen Torwart und Feldspieler sind die bisher geltenden Regeln weiterhin zu beachten. Muss eine Mannschaft, die ohne Torwart spielt, einen Abwurf ausführen, muss sie dafür zwingend einen Feldspieler gegen einen Torwart (bzw. Feldspieler mit Überzieh-Leibchen) auswechseln.

Kann die gegnerische Mannschaft nach dem Schlusssignal noch einen Freiwurf ausführen, ist es der abwehrenden Mannschaft erlaubt, einen Torwart gegen einen Feldspieler einzuwechseln, wenn sie zu diesem Zeitpunkt ohne Torwart spielt.


2. Verletzter Spieler

In den letzten Jahren waren immer häufiger Situationen zu beobachten, in denen ein Spieler unnötigerweise medizinische Versorgung auf der Spielfläche verlangte. Dies beispielsweise mit dem unsportlichen Ziel, den Spielrhythmus zu stören oder die Spielunterbrechung zu verlängern. Negative Einflüsse auf das Spiel, aber auch auf TV-Übertragungen, waren die Folge. Die bisherigen Bestimmungen reichten für Schiedsrichter und Delegierte nicht aus, um dieses Verhalten zu unterbinden. Das neue Regelwerk enthält die folgenden konkreten Anweisungen an die Schiedsrichter zum Vorgehen in solchen Situationen.

Die Schiedsrichter geben nur dann unmittelbar Time-Out und die Erlaubnis zum Betreten der Spielfläche (Handzeichen 15 und 16), wenn sie absolut sicher sind, dass der Spieler auf der Spielfläche behandelt werden muss.

In allen anderen Fällen fordern sie den Spieler zunächst auf, aufzustehen und sich außerhalb der Spielfläche behandeln zu lassen, bevor sie gegebenenfalls das Handzeichen16 zeigen. Das Handzeichen 15 (Time-out) allein führt noch nicht dazu, dass der verletzte Spieler die Spielfläche verlassen muss und vorübergehend nicht eingesetzt werden kann. Ein Spieler, der sich außerhalb des Spielfelds behandeln lässt, kann jederzeit wieder eingewechselt werden.

Verstößt ein Spieler gegen diese Anweisungen, ist er wegen unsportlichen Verhaltens zu bestrafen. Erhält ein Spieler, der eine Verletzungsversorgung auf der Spielfläche erhält oder sich inzwischen für 3 Angriffe seiner Mannschaft im Auswechselraum aufhält, eine Hinausstellung, kann er nach Ablauf der Strafzeit (unabhängig von der Anzahl der gespielten Angriffe) wieder eingesetzt werden.

Folgende Regelbestimmungen wurden in diesem Zusammenhang geändert: Nach der medizinischen Versorgung auf der Spielfläche muss der Spieler die Spielfläche verlassen. Er kann erst wieder eingewechselt werden, wenn seine Mannschaft drei Angriffe abgeschlossen hat. Der Spieler kann auf der Spielfläche ersetzt werden.

Unabhängig von der Anzahl der gespielten Angriffe kann der Spieler bei Wiederaufnahme des Spiels nach einer Spielhälfte wieder eingesetzt werden. Betritt dieser Spieler die Spielfläche, bevor seine Mannschaft drei Angriffe abgeschlossen hat, wird er wegen Wechselfehlers bestraft. Die Kontrolle der Anzahl gespielter Angriffe erfolgt durch Zeitnehmer / Sekretär / Delegierte. Nach Ablauf der drei Angriffe informieren Zeitnehmer / Sekretär / Delegierte die Mannschaft in geeigneter Form (beispielsweise, indem eine zuvor aufgestellte Karte mit der entsprechenden Spielernummer entfernt wird). Die Entscheidung ist eine Tatsachenfeststellung.

Ein Angriff beginnt mit Ballbesitz und endet, wenn ein Tor erzielt wurde oder die angreifende Mannschaft den Ball verliert. Ist eine Mannschaft, deren Spieler eine medizinische Versorgung auf der Spielfläche benötigt, zu diesem Zeitpunkt in Ballbesitz, beginnt mit der Spielfortsetzung der erste zählbare Angriff.

In zwei Situationen entfällt die Verpflichtung des auf der Spielfläche versorgten Spielers, für drei Angriffe seiner Mannschaft die Spielfläche zu verlassen: Wenn die Versorgung die Folge eines regelwidrigen Verhaltens eines gegnerischen Spielers war, der dafür von den Schiedsrichtern progressiv bestraft wurde. Wenn ein Torwart im Torraum bei einer Abwehraktion von einem Ball am Kopf getroffen wurde und medizinische Versorgung benötigt.

Nachdem eine Mannschaft von den Schiedsrichtern die Erlaubnis erhalten hat, dass zwei teilnahmeberechtigte Personen die Spielfläche zur Versorgung eines verletzten Spielers betreten dürfen, ist es nicht gestattet, dass diese Mannschaft das Betreten der Spielfläche und damit die Versorgung des verletzten Spielers auf der Spielfläche verweigert. Bleibt es trotz erneuter Aufforderung durch die Schiedsrichter bei der Weigerung, ist der Mannschaftsverantwortliche progressiv zu bestrafen.


3. Passives Spiel

Von vielen Trainern wurde bemängelt, dass die Regelbestimmungen, insbesondere nach dem Vorwarnzeichen für passives Spiel, zu unterschiedlich angewendet werden. Ihre Empfehlung, den Schiedsrichtern zusätzliche objektive Kriterien vorzugeben, um zu einer einheitlicheren Auslegung zu gelangen, wird mit den hier getroffenen Regeländerungen entsprochen.

Gleichzeitig werden die Schiedsrichter aufgefordert, in diesen Situationen progressiv zu bestrafende Regelwidrigkeiten der verteidigenden Mannschaft konsequent zu ahnden. Die Schiedsrichter können weiterhin jederzeit nach dem Anzeigen des Vorwarnzeichens, aber auch ohne Vorwarnzeichen, auf passives Spiel entscheiden, wenn sie keinen Versuch der angreifenden Mannschaft erkennen, in eine Torwurfsituation zu gelangen.

Folgende Regelbestimmungen wurden in diesem Zusammenhang präzisiert: Nach der Anzeige des Vorwarnzeichens durch einen der beiden Schiedsrichter hat die angreifende Mannschaft maximal sechs Pässe zur Verfügung, um in eine Torwurfsituation zu gelangen. Erfolgt danach kein Torwurf, entscheiden die Schiedsrichter auf passives Spiel (Freiwurf für die gegnerische Mannschaft).

Die Zählweise der Pässe wird nicht unterbrochen, wenn der angreifenden Mannschaft ein Freiwurf oder ein Einwurf zugesprochen wird. Gleiches gilt, wenn ein Wurf von der Abwehr geblockt wird.

Nicht als Pass zählt ein versuchtes Anspiel, wenn der Ball vom Mitspieler infolge eines geahndeten Fouls eines Abwehrspielers nicht unter Kontrolle gebracht werden kann. Ebenso zählt eine Aktion nicht als Pass, wenn der Ball beim versuchten Zuspiel vom Abwehrspieler ins Seiten- oder Toraus gelenkt wird. Gleiches gilt bei einem Wurf, der von der Abwehr geblockt wird.

 
4. Letzte 30 Sekunden

Seit der Regeländerung 2005 wurden in der letzten Minute unsportliches Verhalten (beispielsweise das Verhindern eines Anwurfs) oder schwerwiegende Fouls nach besonderen Vorschriften bestraft. Der Spieler wurde disqualifiziert und die Schiedsrichter erstellten einen schriftlichen Bericht, was in der Regel zusätzlich zu einer Sperre führte. Trotz dieser Maßnahmen wurde das Ziel der Regel nur beschränkt erreicht: Wenn es darum ging, einen knappen Vorsprung oder ein Unentschieden zu sichern, nahmen Mannschaften eine Sperre oft in Kauf, um dem Gegner keine Möglichkeit mehr zu geben, zu einer Torwurfsituation zu kommen und das Spiel noch auszugleichen oder zu gewinnen.

Folgende Regelbestimmungen wurden in diesem Zusammenhang geändert: Statt einer Disqualifikation mit Bericht wird der fehlbare Spieler / Offizielle nunmehr mit einer Disqualifikation ohne Bericht bestraft. Zusätzlich wird auf 7-m-Wurf für die gegnerische Mannschaft entschieden. Eine Disqualifikation mit Bericht erfolgt in den Fällen der Regel 8:10c und 8:10d nur noch, wenn das in diesem Zusammenhang festgestellte Vergehen von den Schiedsrichtern als besonders gravierender Verstoß gemäß den Regeln 8:6 oder 8:10 a-b beurteilt wird.

Der bisherige Anwendungszeitraum der Sonderregelung (letzte Spielminute) wird auf die letzten 30 Sekunden beschränkt. Entscheidend bleibt aber, dass das Vergehen in den letzten 30 Sekunden oder zusammen mit dem Schlusssignal erfolgte.

 
5. Blaue Karte

Oft ist für die am Spiel beteiligten Mannschaften, Medien oder Zuschauer nicht klar, ob die Schiedsrichter eine Disqualifikation mit Bericht aussprechen (also mit zusätzlichen Disziplinarmaßnahmen) oder ohne Bericht (Disqualifikation ohne weitere Auswirkungen für die folgenden Spiele).

Die nachfolgend beschriebene Änderung soll für mehr Klarheit in diesem Bereich sorgen: Zeigen die Schiedsrichter nach der roten Karte auch noch die blaue Karte, verfassen sie einen schriftlichen Bericht für die zuständige Instanz, die für weitere Maßnahmen verantwortlich ist.

Die Disqualifikation wird also weiterhin durch die rote Karte angezeigt; die blaue Karte stellt lediglich eine zusätzliche Information dar.

21.07.2016 16:48 Alter: 1 Jahre