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11.12.2017 : 18:01 : +0100
HSG-Spieler im Porträt

Spätzünder mit Maskottchen

Jörn Pehle hatte mal einen Trainer. Der hieß Götz Wolschke, hatte früher beim THW Kiel im Tor gestanden und war ein Freund klarer Ansagen. „Aus dir wird nix mehr“, sagte dieser Trainer. „Die Grundlagen lernt man beim Handball bis zum 14. Lebensjahr.“ Pehle aber hatte erst im reifen Alter von 16 Jahren mit seinem Sport begonnen.
Nun, auch ein bundesligaerfahrener Trainer kann irren. Jörn Pehle mag ein Spätzünder sein, aber er ist aus dem Stadtligateam der HSG Kreuzberg nicht wegzudenken. Das hat mehrere Gründe.
Zum einen ist er Linkshänder. Die sind zwar den Torhütern nicht unähnlich und deshalb manchmal schwer zu verstehen. Aber sie sind eine rare Spezies. Mit seinen 35 Jahren hat Pehle auf dem rechten Flügel der HSG jedenfalls einen Stammplatz. Sicher im Abschluss von der Rechtsaußenposition, solide in der Deckung – sein aktueller Trainer Olaf Grahl ist mit dem Spätzünder meist zufrieden.
Zum anderen sind da Pehles Qualitäten als Siebenmeterschütze. Der Mann mit der Rückennummer neun kennt keine Nerven und kann auf eine hohe Trefferquote von der Strafwurflinie verweisen. Seine Erklärung dafür? „Ich stelle Augenkontakt mit dem Torwart her. Danach passiert dann was in meinem Kopf.“ Verstanden? Nicht? Na ja, der Mann ist eben Linkshänder.
Der dritte Grund, warum der gebürtige Berliner eine zentrale Rolle bei der HSG spielt, heißt Annika. Das ist seine Schwester. Früher begleitete die 23-jährige Jura-Studentin ihren älteren Bruder nur gelegentlich zu seinen Spielen. In dieser Saison aber wurde sie von der Mannschaft zwangsverpflichtet. Handballer sind abergläubisch, und Fakt ist: Wann immer Annika auf der Tribüne saß, hat die HSG kein Spiel verloren. „Unser Maskottchen“ heißt sie deshalb im Team, „meine Glücksschwester“ nennt sie Jörn Pehle.
Derzeit denkt er darüber nach, sich bei der HSG noch unersetzlicher zu machen: Den Zeitnehmer- und vielleicht auch den Trainerschein will Pehle machen. Dann könnte er seinen Spielern beibringen, wie man Grundlagen lernt – auch wenn man schon älter als 14 Jahre ist.

(Erstellt am 16.3.2010)