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19.10.2017 : 12:43 : +0200
Flügelflitzer der HSG Kreuzberg

„Ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte“ – Das Abschiedsinterview mit Jonas Markgraf

Jonas, das erste Saisonspiel der HSG Kreuzberg war zugleich dein vorläufig letztes. Hast du ein besseres Angebot bekommen?
Jonas Markgraf: Das könnte man so sagen. Die Briten haben mir ein Angebot unterbreitet, das ich nicht ablehnen konnte. Man muss aber auch sagen, dass das Paket der HSG leicht zu übertrumpfen war: Neuerdings rigide Eintreibungspraxis der Mitgliedschaftsbeiträge, gesteigerte Bierpreise bei Gino (Inflationsbereinigung?) und ein erschreckender demografischer Wandel in der Mannschaft – da wollte ich einfach weg.

Was führt dich nach England?
Markgraf: Ich habe durch das ERASMUS-Programm die Möglichkeit eines neunmonatigen Studienaufenthaltes an der University of Kent in Canterbury im Fach „Politics and International Relations“ bekommen. Ich verspreche mir davon sprachliche Verbesserungen (selbstverständlich!), neue Perspektiven für mein Studium und bin mir sicher, dass ich auch menschlich an einem Tapetenwechsel wachsen werde – auch wenn der Aufenthalt mit dem Aufgeben lieb gewonnener Gewohnheiten verbunden ist.

Handball zählt auf der Insel ja nicht gerade zu den führenden Sportarten. Wie willst du dich fit halten?
Markgraf: Darum mache ich mir keine allzu großen Sorgen. Das Sportprogramm ist relativ umfangreich – abgesehen davon, dass es in ganz Kent keinen einzigen Handballverein gibt. Neben den Ballsportarten Basketball und Volleyball überlege ich, in eine ganz neue Sportart hineinzuschnuppern, zum Beispiel Rudern. Ich hoffe, dass ich über den Sport die ERASMUS-typische Segregation zwischen einheimischen und internationalen Studenten aufbrechen kann.

Schon erfahren, ob Linkshänder beim Rudern genauso diskriminiert werden wie beim Handball?
Markgraf:
Das würde mich wundern. Leistung setzt sich durch – wie auch in der HSG. Beim Rudern ist ja im Übrigen auch Kraft beider Arme gebraucht. Von daher sehe ich da keine Gefahr.

Wie hast du dich auf Canterbury vorbereitet? Die britische Hymne gelernt?

Markgraf: Ich habe hauptsächlich an der Theke geübt. In britischen Pubs sind Weicheier nicht gern gesehen. Ansonsten habe ich die sprachlichen Fähigkeiten ein wenig aufpoliert und die notwendigen Vorbereitungen für Reise und dortigen Aufenthalt erledigt. Alles weitere wird sich ohnehin dort ergeben und lässt sich nicht planen – zu intensive Vorbereitungen versperren, so meine Erfahrung, eher den Blick für Spontanes und verhindern einen unvoreingenommenen Blick auf die neue Umgebung.

Um mal ein bisschen Druck zu machen: Was erwartest du von den vier Teams der HSG in dieser Saison?
Markgraf: Für die Männer I ist aus meiner Sicht alles außer einem Aufstieg enttäuschend. Auch wenn das Auftaktspiel verloren wurde, sind die Fähigkeiten zweifellos da. Und wir sind ja eine tolle Truppe, die sich auch neben dem Platz versteht – da sollte das drin sein. Wenn da noch ein bisschen mehr Abstimmung, Gelassenheit und Übung in die Aktionen kommt, bin ich da sehr zuversichtlich. Wenn nicht, ist es aber auch nicht so schlimm und wird eine Saison später nachgeholt. Für die Männer II ist, mit etwas Glück und gezieltem Training, sicher auch ein Platz im oberen Tabellendrittel drin. Ob ich ihnen den Aufstieg aber wünsche, ist eine andere Frage, da es in der Stadtliga dann vielleicht etwas frustrierend werden könnte. Für die Männer III und die Alten Herren geht’s wohl nicht um den Aufstieg, sondern um Spielpraxis, heile Knochen und ein geselliges Zusammensein.

Sonst noch irgendwelche Botschaften an die alten Kollegen?

Markgraf:
Aufstieg hin oder her – Hauptsache, die Mannschaft hat weiterhin Spaß zusammen und versteht sich menschlich. Ich hoffe, wir bleiben unserem Motto treu, der etwas andere Verein zu sein – für mich heißt das auch, nicht alles dem Leistungsgedanken unterzuordnen. Das haben wir bisher ja sehr gut geschafft, mit einem Gleichgewicht zwischen konzentrierten Trainingseinheiten und abendlichen Kneipenbesuchen. Ich freue mich schon jetzt, nächstes Jahr wieder dabei zu sein und bin ein wenig traurig, für fast ein Jahr den Handball als Sportgerät ruhen zu lassen zu müssen. Ich drück allen die Daumen, dass das Maximale aus der Saison rausgeholt wird und der Körper ganz bleibt!

Ist es denkbar, dass du bei dem einen oder anderen Spiel aushelfen wirst?

Markgraf:
Na klar. Wenn Bedarf ist, ich in der Stadt bin und meine Fitness es zulässt, steh ich natürlich zur Verfügung. Ein Kurzcomeback zur Weihnachtsfeier ist ebenfalls möglich. Man wird sehen… Und voraussichtlich Mitte Juni 2012 komme ich endgültig zurück nach Berlin. Je nachdem, wie sich meine Praktikumsbewerbungen entwickeln, kann es aber sein, dass mein Comeback sich dann noch etwas verschiebt. Bereits jetzt juckt es mich aber schon wieder in den Fingern – gerade nach der unglücklichen Niederlage am letzten Wochenende!

Na dann: Ab auf die Insel! Und mach uns keine Schande an der Pub-Theke…

Markgraf: Versprochen. Macht’s gut!


(Das Gespräch wurde am 13. September 2011 von der Webredaktion der HSG Kreuzberg geführt.)