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26.6.2017 : 14:19 : +0200
Torhüter der HSG Kreuzberg

„Die HSG ist meine Familie gewesen“

Handball ist das eine, der Job das andere: Mitten in der Saison musste Manuel Kreissig (Foto) die HSG Kreuzberg verlassen, weil es ihn nach Abschluss seines Studiums aus beruflichen Gründen ins Bergische Land zog – nach Wuppertal. Die Webredaktion der HSG sprach mit ihm über die Gründe.

Manuel, nach vier Jahren bei der HSG Kreuzberg ziehst du nun nach Wuppertal. Was hat das Bergische Land, was die Hauptstadt nicht hat?

Manuel Kreissig: Wie Ihr ja mitbekommen habt – ein paar Mannschaftskollegen am eigenen Leib –, hatte ich in den vergangenen zwei Monate schon keine Wohnung mehr in Berlin und musste die Sofas, Luftmatratzen und Isomatten einiger HSGler in Anspruch nehmen. Auf diesem Wege nochmal ein großes Dankeschön an alle, die mir Asyl gewährt haben! Wuppertal bietet mir neben der Nähe zu meiner Partnerin auch die Möglichkeit, meine Reisetasche gegen die eigenen vier Wände zu tauschen. Beruflich konnte ich zudem in Berlin leider nicht so starten, wie ich mir das gewünscht habe. Ich werde zwar oft dafür belächelt, von Berlin in ein „Loch“ wie Wuppertal zu ziehen, denke aber, dass hier im Bergischen Land auch Menge Potenzial steckt – nicht zuletzt wegen der Nähe zu Köln, Düsseldorf, Dortmund und Essen. Nur mit den ganzen BVB-Verrückten hier komme ich als gebürtiger Bayer noch nicht so klar...

Wirst du nur Schwebebahn fahren oder auch Handball spielen?


Kreissig: Die Schwebebahn ist zwar in der Tat ein sehr schönes Verkehrsmittel und eine super Abwechslung zum Berliner U- und S-Bahnnetz. Momentan finde ich jedoch noch nicht viel Zeit, um Wuppertal zu erkunden. Der Umzug geht auf die Zielgerade, die Bewerbungsphase läuft auf Hochtouren, und nebenbei muss ich noch mein Studium abschließen. Der Handball bleibt natürlich nicht auf der Strecke. Grün-Weiß Wuppertal, der Heimatverein von Gregor und Helge, hat mich freundschaftlich aufgenommen, und ich habe die Möglichkeit, nach meinem Bandscheibenvorfall wieder regelmäßig zu trainieren.

Was gibt es denn noch so zu erleben in Wuppertal?


Kreissig: Nicht ganz so viel wie in Berlin. Allein kulinarisch ist man hier vergleichsweise eingeschränkt. Mein Fokus liegt jedoch ohnehin weniger darauf, Abenteuer zu erleben oder die Clubs zu erkunden – also den einen, von dem ich bisher weiß.

Du musstest ja ziemlich schnell weg. Was ist mit einer Abschiedsparty?

Kreissig: Ja, der Umzug ging dann schneller, als ich selbst dachte. Ich hatte kurzfristig die Möglichkeit, mein ganzes Hab und Gut, das bis dato eingelagert war, nach Wuppertal zu bringen. Eine Abschiedsparty? Das fühlt sich immer so endgültig an. Ich werde jedoch das eine oder andere Mal in Berlin sein – und bin dann immer für ein Bier zu haben.

Wir werden dich vermissen. Du uns auch?

Kreissig: Vermissen ist noch untertrieben. Ich lasse viele tolle Handballer, Mannschaftskollegen und Freunde zurück. Die HSG ist in den vier Jahren nicht nur mein Verein, sondern meine Familie gewesen. Ich nehme viele Momente und Erfahrungen mit, an die ich mich gerne erinnern werde.

Wenn du zurückblickst auf die vier Jahre: Was bleibt hängen?

Kreissig: Am meisten bleibt die Gemeinschaft hängen. Die HSG schafft es, Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern, Altersgruppen und verschiedenen spielerischen Niveaus zu einer Gemeinschaft zu formen. Jeder einzelne trägt seinen Anteil dazu bei und erleichtert es den Nachfolgenden, sich in den Verein zu integrieren. Das besondere ist, dass diese Gemeinschaft über den Spielfeldrand und die Trainingshalle hinaus reicht. Die beiden Skifahrten, das Beachhandballturnier in Bayern, die Kohl-und-Pinkel-Fahrt oder das Osterfest bei David sind nur wenige Beispiele.

Gibt es Aussichten auf ein Berliner Comeback, irgendwann?

Kreissig: Hätte man mich vor ein paar Monaten gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, nach Wuppertal zu gehen – meine Antwort wäre „Nein“ gewesen. Also: Wer weiß schon, was kommt.

(Das Gespräch wurde im März 2015 von der Webredaktion der HSG Kreuzberg geführt.)