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19.10.2017 : 12:42 : +0200
Ein Techniker am Kreuzberger Kreis

Ein Techniker mit Gardemaß am Kreuzberger Kreis

Würzburg in Unterfranken hat eine Reihe imposanter Sportler hervorgebracht. Man denke nur an Deutschlands besten Basketballer Dirk Nowitzki, diesen Hünen von 213 Zentimetern Körperlänge mit Schuhgröße 50, der seit 1998 in der nordamerikanischen Profiliga NBA bei den Dallas Mavericks spielt.

Völlig zu Unrecht etwas unbekannter ist Frank Gressel, der mit seinen Gardemaßen von 196 Zentimetern und Schuhgröße 46 als Handballer in der Berliner Bezirksliga aktiv ist. Filigran tänzelt Gressel für die HSG Kreuzberg II am Kreis entlang, auch als Siebenmeterschütze und Abwehrspieler hat sich der Bayer in Preußen einen Namen gemacht.

Das technische Geschick bezieht sich dabei nicht allein auf sein sportliches Talent. Beruflich als Webentwickler tätig, stellt er seine Fähigkeiten als staatlich geprüfter Techniker auch nach Feierabend in die Dienste der HSG und optimiert den Internet-Auftritt des Kreuzberger Kultvereins – ohne Übertreibung kann Gressel als unersetzlicher Teil der Webredaktion bezeichnet werden.

Neben seiner Leidenschaft für den Handball zeichnet ihn seine Begeisterung für die Musik aus. Daher ist Gressel nicht nur am Kreis in vorderster Front zu finden, sondern steht auch bei Konzerten (zum Beispiel von Queens of the Stone Age, Air, Muse, EinsZwo, Radiohead) und Festivals (Bizarre, Melt, SonneMondSterne, Rock im Park, Splash, Mera Luna) in der ersten Reihe.

Dass Gressel nicht nur im musikalischen Bereich „open minded“ ist, zeigt sich an den Positionen, die er in seiner Laufbahn bereits bekleidet hat. Der heute 30-jährige begann seine Laufbahn als Handballer mit fünf oder sechs Jahren (so genau kann er sich daran nicht mehr erinnern) im Tor, über den Rückraum und die Außenposition arbeitete er sich bis an den Kreis vor. Nach den Anfängen bei seinem Heimatverein SV Bergtheim und der TG Höchberg in Unterfranken spielt er seit 2006 in Berlin. Nach einem kurzen Gastspiel beim SC Siemensstadt schloss er sich der HSG Kreuzberg an. Seine persönliche Erfolgsbilanz kann sich dabei sehen lassen: fünfmal in den vergangenen sechs Jahren konnte Gressel einen Aufstieg feiern.

Nicht nur deshalb hat der Rechtshänder seine Vereinswahl nicht bereut. Der Mann mit der Rückennummer 15 fühlt sich bei der Spielgemeinschaft rundum wohl. „Es ist schwer, einen cooleren Handballverein in Berlin zu finden“, sagt Gressel: „Man wird hier von Anfang an sehr gut aufgenommen und ist weniger der ,Neue‘ als vielmehr von Anfang an ein fester Bestandteil der Mannschaft.“

Und selbst mit den freundschaftlichen Spötteleien seiner Kollegen kann er leben – er kann sie ja mit Fakten kontern. Wenn Gressel mit seiner 46er-Schuhkonfektion eben doch das eine oder andere Mal die Kreislinie betritt, kann er darauf verweisen, dass er damit immer noch 4 Nummern kleinere Probleme hat als dieser andere Würzburger Sportler: Dirk Nowitzki.

(Erstellt am 9.3.2011)