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23.8.2017 : 16:00 : +0200

Die Vereine

Zehn Jahre HSG Kreuzberg – wie alles begann

Urgestein der HSG Kreuzberg

2011 feierte die HSG Kreuzberg ihr zehnjähriges Bestehen. Aus diesem Anlass hat einer der Gründerväter der Spielgemeinschaft, David Heilmann (Foto), ein wenig in seinen Erinnerungen gekramt. Warum die HSG nicht „Roter Stern Kreuzberg“ heißt, welche Probleme Bedenkenträger bereiten können, und was noch alles kommen soll – all das hat „Papa David“ für die Nachwelt festgehalten, alles frei nach dem Motto von Fritz Muliar: „Damit ich nicht vergess´, Ihnen zu erzählen…“

 

Von David Heilmann

„Es begann alles im Jahr 2000, als ich immer dienstags beim HVB als Verbandsvertreter für Turnsport Süden 1919 e.V. erscheinen durfte. Dort wurde ich dann auch sehr bald zur Mitarbeit im Spielausschuss aufgefordert – und lernte den Verbandsvertreter der SG TMBW kennen. Der berichtete mir von der erfolgreichen Gründung dieser Spielgemeinschaft…


Gute Ideen sollte man nutzen, gut kopiert ist halb gewonnen. Also habe ich mal die Grundstimmung bei Turnsport Süden erkundet. Die Spieler fanden die Idee einer SG sehr sinnvoll, da unsere Personaldecke immer dünner wurde. Aber es musste ja noch ein weiterer Verein gefunden werden.

Da wir schon über Jahre gute Kontakte zum Märkischen Sportclub gepflegt hatten, fragte ich kurzerhand einmal bei den Spielern dort nach – und auch bei ihnen wurde die Idee grundsätzlich für gut befunden.

Allerdings hatte ich in meiner Blauäugigkeit Wichtiges vergessen: Die Funktionäre. Von denen schlugen mir – übrigens in beiden Klubs – die üblichen Argumente entgegen: „Verlust des eigenen Vereinsnamens“, „Finanzierung“, „Haftung“, etc. pp…

An eine kurzfristige Realisierung der Idee war also nicht mehr zu denken, da der Meldeschluss bereits herangerückt war. Doch die Kontakte rissen nicht ab, bei vielen Treffen der Spieler reifte zunehmend die Überzeugung, dass eine SG für alle Beteiligten eigentlich nur Vorteile hätte.

Bei einem dieser Treffen - und nach ein, zwei Bier - entstand auch schon die erste Namensidee für den neuen Klub. Die Jungs des MSC um Ulli Meyer, damals schon in der Stadtliga aktiv und auch sonst kreativ, schlugen vor: „Roter Stern Kreuzberg“. Auf verschlungenen Pfaden drang diese Biertischidee bis zu den Honoratioren des HVB durch – die mich entgeistert fragten: „Was is denn da in Kreuzberg los?“ Auch den damaligen Vorstand des MSC erreichte der Name, nicht etwa über die eigenen Spieler, sondern über den HVB. Man war irritiert...

Es gelang mir dann jedoch, in vielen Gesprächen mit beiden Vorständen die Unstimmigkeiten auszuräumen, so dass es schlussendlich im April 2001 zur Unterzeichnung des SG-Vertrages kam, und zwar mit einem ganz zivilen Namen: Die „HSG Kreuzberg“ war geboren.

In der Saison 2001/2002 nahm die HSG mit drei Mannschaften am Spielbetrieb des HVB teil: die Männer I in der Stadtliga, die Männer II in der Kreisklasse und die Alten Herren in der Stadtliga. In den folgenden Jahren wurde in verschiedenen Ligen durchaus erfolgreich zusammen gespielt. Doch wie zuvor schon bei Turnsport, gingen im Laufe der Zeit viele Spieler aus Alters-, gesundheitlichen oder beruflichen Gründen verloren.

In der Saison 2005/2006 konnte lediglich noch eine Männermannschaft für die Kreisklasse gemeldet werden, die allerdings zu einem Großteil aus den Alten Herren bestand. Durch einen Zufall kam dann jedoch ein gewisser Götz Wolschke zu uns – und es begann eine sehr spannende Zeit.

Denn beinahe zeitgleich kamen die befreundeten Adler 1912 zu uns zum Training. Die Jungs suchten einen kompetenten Trainer, und wir hatten Götz…

Also lud ich den Vorsitzenden von Adler 1912 ein, sich mit seiner Handballabteilung der HSG Kreuzberg anzuschließen. Es folgten die üblichen Funktionärsvorbehalte (siehe oben), aber wieder waren es die Spieler, die den Plan befürworteten. Unter deren Druck erklärte sich auch der Adler-Chef Lange grundsätzlich bereit, dabei mitzumachen – was leider ein Versprechen war, das „Die Ärzte“ mal so besungen haben: „Das ist nicht die ganze Wahrheit“.

Denn kurz vor Ablauf der Meldefrist der SG für die Saison 2007/2008 zog der Mann seine Zusage zurück. Er hatte wohl gehofft, Spieler für „seinen Verein“ abwerben zu können. Allerdings hatte er nicht mit der Konsequenz seiner Handball spielenden Mitglieder gerechnet – die übergaben Ihm fristgerecht nach Abpfiff des letzten Saisonspiels fast geschlossen die Kündigung und wechselten zur HSG Kreuzberg, die damit mit zwei Mannschaften in die nächste Spielzeit starten konnte.

Seit diesem „Relaunch“ konnten viele Dinge verbessert werden: die Spielerbasis verbreiterte sich zusehends, immer mehr Vereinsmitglieder begannen, sich auch über den Sport hinaus für den Klub zu engagieren. Und nicht zuletzt konnten wir Olaf Grahl gewinnen, der seine – im positiven Sinne - „Handballverrücktheit“ in den Dienst der HSG stellte.

Heute können wir ohne falsche Bescheidenheit sagen, dass wir DER Handballklubs aus Kreuzberg sind. Die sportlichen Erfolge dieser Saison sprechen eine deutliche Sprache: Die Männer I stehen in der Relegation zum Aufstieg in Berlins zweithöchste Spielklasse, die HSG insgesamt wird für die Saison 2011/2012 drei Männermannschaften und eine Alte Herren melden.

Nach zehn Jahren HSG Kreuzberg darf man dies wohl als Erfolgsgeschichte bezeichnen. Mir bleibt nur, alle Spieler, Mitglieder und Freunde des Vereins aufzurufen: Macht mit – Macht‘s nach – Macht‘s besser. Auf die nächsten zehn Jahre der HSG!“

(Erstellt am 25.05.2011)